FAQs

Die häufigsten Fragen zur Sanierung der Deponie Nord

 

 

Wo liegt die Deponie Nord?

Die Deponie Nord ist eine von drei städtischen Mülldeponien im Münchner Norden. Sie befindet sich im nordöstlichen Quadranten des Autobahnkreuzes München Nord, in unmittelbarer Nachbarschaft zur rekultivierten Deponie Fröttmaninger Berg mit seinem weithin sichtbaren Windrad sowie dem neuen Fußballstadion. Eingerahmt ist sie durch die A9 im Westen und die Freisinger Landstraße im Osten.


Ist die Deponie Nord noch in Betrieb und welche Stoffe lagern in ihr?

Die Deponie Nord wurde 1982 zum Zweck der Klärschlammentsorgung errichtet und am 14.7.2005 stillgelegt. In der ersten Phase von 1982 bis 1997 wurde Klärschlamm aus den beiden Klärwerken der Landeshauptstadt München eingelagert. Der Klärschlamm wurde mit 50 Prozent Kalk stabilisiert, so dass die Hälfte des Deponats aus Kalk besteht. Nach Inbetriebnahme einer Klärschlammverbrennungsanlage im Jahr 1997 bis zur Stilllegung 2005 lagerte man auf der Deponie die in deutlich geringeren Mengen anfallende Klärschlammasche ab. Dadurch musste die Deponie nicht erweitert werden. Etwa 13 Hektar von insgesamt 17 Hektar Gesamtoberfläche der Deponie sind heute abgedeckt und wurden plangemäß mit einheimischer Vegetation rekultiviert. Der jetzige Gehölzbestand ist im Schnitt ca. 20 Jahre alt.


Warum muss die Deponie saniert werden?

Das bisherige Schutzkonzept aus Oberflächenabdeckung und Sickerwasserdränage konnte die langfristigen Erwartungen nicht erfüllen. Die alte Oberflächenabdeckung der Deponie besteht aus Roh- und Oberboden in stark variierender Dicke von einem bis fünf Metern. Darin eingebaut wurde bescheidsgemäß eine nicht näher definierte Lehmschicht. Leider haben vereinzelte, tief wurzelnde Bäume diese Schicht mittlerweile stellenweise beschädigt. Dadurch gelangen etwa 30 bis 40 Prozent des Niederschlags in den Deponiekörper und sammeln sich am Boden als Sickerwasser. Das für den Sickerwasserabfluss installierte Dränsystem wiederum hat sich als störanfällig erwiesen. Im Lauf der Jahre bildeten sich in den geschlitzten Kunststoffrohren Kalkausfällungen, die aus dem Kalk-Klärschlammgemisch entstehen. Um die Dränrohre funktionsfähig zu halten, können die Ablagerungen mit einem steigenden jährlichen Aufwand durch Hochdruckspülungen und chemische Lösungen nur teilweise entfernt werden. Zur Gewährleistung der Funktionstüchtigkeit des Dränsystems werden permanent Sanierungsmaßnahmen durchgeführt: zum Beispiel Entwässerungs-Schachtbauten, Filterbrunnen, Sickerwasserrigolen und eine Ringdränage um die Dammkrone.

 

Warum wird bei der Deponieabdichtung ein so großer Aufwand betrieben?

Nach den aktuell vorliegenden Erkenntnissen muss das komplette Dränsystem in fünf bis zehn Jahren erneuert werden. Die dafür zu erwartenden Kosten liegen in etwa im Bereich jener der geplanten Abdichtung. Aber selbst bei einer Erneuerung des Dränsystems wären langfristig regelmäßige, kostspielige Wartungsarbeiten erforderlich.
Stattdessen besteht die Möglichkeit des Verzichts auf eine Deponieentwässerung, wenn es gelingt, die Entstehung von Sickerwasser zu unterbinden. Dies ist heute über den Weg einer Abdichtung der gesamten Deponieoberfläche möglich. Die vorgesehene Oberflächenabdichtung entspricht dem neuesten wissenschaftlichen Stand im Deponiebau und verhindert die Neubildung von Sickerwasser. Ohne die geplante Abdichtung kann die Deponie nie für die Bevölkerung freigegeben werden, da auf Grundlage der Nachsorgepflicht ständig erhebliche Unterhaltungsarbeiten durchzuführen wären. Ab Februar 2009 soll die Oberflächenabdichtung in sieben Bauabschnitten bis 2015 hergestellt werden.

 

Kommt es durch die Abdichtungsmaßnahme zu Geruchsemissionen?

Nein, Geruchsemissionen werden nicht erwartet – der Eingriff in das Deponat ist nur gering.

 

Hat die Abdichtungsmaßnahme Auswirkungen auf die umgebende Tier- und Pflanzenwelt?

Der nur geringe Eingriff in das Deponat bedeutet, dass es zu keiner relevanten Beeinträchtigung der Isarauen und der dort vorhandenen wertvollen Flora und Fauna kommt. Im Gegenteil handelt es sich bei der der Abdichtung sogar um eine aktive Umweltschutzmaßnahme. Durch die zukünftige Vermeidung von möglichen Sickerwasseraustritten in das Grundwasser entsteht ein zusätzlicher, langfristiger Schutz des Gebiets.

 

Wie ist sichergestellt, dass die neue Deponieabdichtung in absehbarer Zeit nicht wieder undicht wird?

Beim Aufbau der geplanten Deponiedecke kommt ein innovatives Verfahren zum Einsatz, bei dem die wasserdichte Schicht aus 50 Zentimetern Bentokies besteht. Die entscheidende Dichtwirkung geht dabei von Bentonit aus, ein in der Natur vorkommendes Tonmineralgemisch, das ausgezeichnete viskose Eigenschaften und eine hohe Quellfähigkeit besitzt. Mit Kies zu Bentokies vermischt entsteht ein wasserundurchlässiger Baustoff, der eventuelle Risse wiederverschließen und sogar Bodenbewegungen ausgleichen kann.

 

Kann Sickerwasser aus der Deponie in das Grundwasser gelangen?

Nein. Die Deponie Nord verfügt über eine hochwertige Grundabdichtung aus Asphaltbeton, die als Wanne mit einem umlaufenden Randdamm ausgebildet ist. Die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz des Grundwassers wurden und werden ständig erweitert: Dazu gehören Schachtbauten, ein zweites Rohrsystem, ständige Kontrollen, Bodenproben, die akribische Überwachung der Böschungen und Pegelbohrungen. Die Bilanz von Niederschlag und Sickerwasser aus den Dränagerohren wird permanent überprüft, um über die Funktionsfähigkeit der Leitungen auf dem Laufenden zu sein.

 

Warum muss der derzeitige Baumbestand auf der Deponie gerodet werden?

Eine grundlegende Sanierung lässt sich nur über den Weg eines völligen Abtragens der derzeitigen Abdeckschicht – also der Schicht über dem Klärschlammdeponat – durchführen. Das  neue Sanierungskonzept mit seiner dauerhaften, wartungsfreien Abdichtung ist jedoch darauf ausgerichtet, über die Wiederaufforstung eine Wald- und Wiesenlandschaft mit langfristigem Naherholungswert aufzubauen.

 

Was ist Klärschlamm?

Klärschlamm fällt bei der Abwasserreinigung an und ist eine Mischung aus Wasser und Feststoffen. Er besteht aus Produkten der biologischen Abwasserbehandlung, also etwa zur Hälfte aus Feststoffinhalten des Abwassers sowie zur anderen Hälfte aus abgestorbenen Kleinstlebewesen, die sich beim biologischen Abbauprozess im nährstoffreichen Abwasser enorm vermehren. Ursprünglich fand Klärschlamm eine Verwendung als Düngemittel in den landwirtschaftlichen Betrieben des nördlichen Münchner Umlands. Nachdem jedoch im Zuge der Industrialisierung in den Nachkriegsjahrzehnten die Münchner Abwässer zunehmend mit Schwermetallen belastet wurden, entschied man sich ab 1982 für eine Deponieentsorgung. In den folgenden Jahren konnten die Schwermetallgehalte auf unkritische Konzentrationen verringert werden. Trotzdem musste der Klärschlamm weiterhin bis 1997 auf der Deponie untergebracht werden, da landwirtschaftliche Flächen nicht mehr in ausreichendem Maß verfügbar waren. Seit Inbetriebnahme einer eigenen Klärschlammverbrennungsanlage im Jahr 1997 wurde auf der Deponie nur mehr Klärschlammasche abgelagert.

 

Warum wird die komplette Oberfläche abgedichtet? Wäre eine Teilabdichtung nicht kostengünstiger?

Die Münchner Stadtentwässerung achtet auf Nachhaltigkeit, deshalb hat man sich dafür entschieden, die gesamte Deponieoberfläche abzudichten. Würde man lediglich die derzeit noch zirka 20 Prozent offene Oberfläche abdichten, könnte man die Sickerwasserneubildung nicht in ausreichendem Maß verhindern.
Die Komplettsanierung der Deponie ist aber auch wirtschaftlich die bessere Alternative. Die Maßnahme kostet insgesamt 48 Mio. Euro und ist damit um 20 Mio. Euro günstiger als die Abdichtung der noch offenen Oberfläche, wenn man alle Investitions- und Betriebskosten berücksichtigt. So entfallen beispielsweise die bisher notwendigen Betriebskosten zur Ableitung und Entsorgung des Sickerwassers nach dem Ende der Nachsorgezeit komplett. Die Investitionskosten von zirka 15 Millionen Euro wurden den laufenden Kosten gegenübergestellt. Es ergab sich eine Amortisation nach 12 Jahren. Bei einer Teilabdichtung blieben auf unabsehbare Zeit jährliche Unterhaltskosten von zirka 400.000 Euro. Das Kalkproblem bliebe weiterhin bestehen und würde mittel- bis langfristig einen Neubau des Dränsystems erforderlich machen.

 

Wie wird das Niederschlagswasser in Zukunft abgeleitet?

Oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser wird in den Straßenbegleitgräben des Deponiewegenetzes erfasst und zum Deponierand abgeleitet. Dort versickert es entweder in eigens dafür angelegten Becken oder in einem Versickerungsgraben am Böschungsfuß.
Niederschlag, der die Rekultivierungsschicht durchsickert, wird über eine auf der Oberflächenabdichtung angeordneten Dränageschicht erfasst und ebenfalls zum Versickerungsgraben abgeleitet.
Die anstehenden geologischen Verhältnisse (Münchner Schotterebene) stellen die schnelle Versickerung der Oberflächenwässer ohne nennenswerten Einfluss auf das Grundwasserniveau sicher. Negative Auswirkungen auf die Umwelt sind bei der genehmigten Ausführung der Oberflächenwassererfassung und -versickerung nicht zu erwarten.

 

Hat die Abdichtungsmaßnahme Auswirkungen auf die umgebende Tier- und Pflanzenwelt?

Der nur geringe Eingriff in das Deponat bedeutet, dass es zu keiner relevanten Beeinträchtigung der Isarauen und der dort vorhandenen wertvollen Flora und Fauna kommt.


Welche gesetzlichen Bestimmungen greifen bei der geplanten Maßnahme?

Das Abfallrecht hat sich seit 2001 massiv verschärft. Die Regierung von Oberbayern ist rechtsaufsichtlich für die Deponien zuständig und fordert eine weitestgehende Minimierung des Sickerwassers. Die Abdeckung fällt unter das Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und zur Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen (Krw-/AbfG; 1994). Das bayerische Naturschutzgesetz verbietet vermeidbare Eingriffe in die Natur. Die Biotopwertigkeit wird durch die Bepflanzung gesteigert. Dadurch ist auch der Zeitverzug von zirka 20 Jahren zwischen Entfernung der Bepflanzung und Entwicklung der gepflanzten Gehölze zu rechtfertigen.

 

Kann man schon genau sagen, wann das Areal für die Bevölkerung freigegeben wird?

Generell geht man von einer Nachsorgezeit von 30 Jahren aus.  Der laufende Betrieb der Dränleitungen und der Sickerwasserbehandlungen kann eingestellt werden, wenn der Sickerwasseraufstau abgebaut ist. Dies wird früher der Fall sein. Doch die Münchner Stadtentwässerung geht auf Nummer sicher. Nach Abschluss der Maßnahme wird eine Schlussabnahme von der Regierung durchgeführt. Im Rahmen der Schlussabnahme wird auch geprüft, wann das Gelände der Bevölkerung als Naherholungsraum zugänglich gemacht wird.