Juni 2017

Auflastaufschüttung

Die gefüllte Deponie mit einer Schütthöhe von teilweise bis zu 30 Metern dient als Baugrund für die neue Oberflächenabdeckung. Dieser Baugrund besteht aus einem Netz ehemaliger Deponiestraßen und den dazwischen liegenden Klärschlammfeldern. Da der neue Dichtungsaufbau im Vergleich zur bestehenden Abdeckung wesentlich dicker ist, erhöht sich damit auch die Belastung auf den Baugrund. Die Bereiche mit den weicheren Klärschlammfeldern werden dadurch stärker zusammengedrückt als die festeren Bereiche mit den Deponiestraßen. Um eine Funktionsbeeinträchtigung der neuen Dichtungsschicht im Übergangsbereich von festem zu weichem Baugrund zu vermeiden, wird in den betroffenen Bereichen eine Auflast in Form einer Bodenaufschüttung aufgebracht. Durch das Gewicht der Auflast werden die zu erwartenden unterschiedlichen Setzungen vorab erzeugt. Erst nach Abklingen der Setzungen, in der Regel nach einem halben Jahr, wird die Auflastschüttung entfernt und das entsprechende Areal für den Dichtungsaufbau freigegeben. Somit ist gewährleistet, dass durch die neue dickere Oberflächenabdeckung in diesen Übergangsbereichen keine kritischen Setzungsunterschiede auftreten können. An insgesamt drei Stellen im Deponiegelände werden diese Auflastschüttungen benötigt. Im fachtechnischen Ausdruck wird hier von Vorbelastungsflächen gesprochen (abgekürzt VB1, VB2 und VB3).


Baustraßennetz

Um die umfangreichen und vielfältigen Bautätigkeiten logistisch abwickeln zu können, sind dem Bauverlauf angepasste temporäre Baustraßen notwendig. Da auf dem Deponiegelände eine strikte Trennung zwischen belasteten (sog. Schwarzbereich) und nicht belasteten (sog. Weißbereich) Bereichen einzuhalten ist, muss beim Bau der Straßen beachtet werden, ob belastete Flächen oder Schichten befahren werden müssen. Um die Trennung zu gewährleisten, werden zwei Reifenwaschanlagen betrieben. Eine hat die Aufgabe, Fahrzeuge zu dekontaminieren, die aus dem Schwarzbereich kommen, während die andere verhindert, dass anhaftendes, nicht kontaminiertes Erdmaterial auf öffentlich befahrene Straßen gelangt. Stark befahrene Baustraßen werden zum Staubschutz entweder bewässert oder asphaltiert.


Begrünung

Als letzter Arbeitsschritt erfolgt getrennt für jeden Bauabschnitt (BA) die Begrünung, nachdem zuvor plangemäß in Wald- und Wiesenbereichen 50 bzw. 20 cm Oberboden aufgetragen wurde. Die Bepflanzung in den Waldbereichen wird im Raster 1 x 1 m als Einzelbepflanzung gestaffelt und nach verschiedenen Größen vorgenommen. Sie folgt den Vorgaben des Pflanzplans, der die gesamte Deponie in sechs verschiedenen Pflanzkombinationen (Pflanzraster) erfasst. Die ausgeschriebenen Arbeiten beinhalten eine mehrjährige Pflege an die sich in späterer Zeit je nach Wachstum der Bäume und Sträucher Auslichtungsschnitte (sog. Läuterungsmaßnahmen) anschließen. Damit ergeben sich für die Waldbereiche die richtigen Abstände zwischen den jeweiligen Gehölzen. Die Wiesenbereiche erhalten Aussaat und werden in das städtische Mähprogramm aufgenommen.


Böschungssicherung

Da Erdbaustoffe nicht wie z. B. Beton in eine beliebige geometrische Form gebracht werden können, muss mit Böschungen gearbeitet werden. Je nach Material gibt es festgelegte Winkel (Steilheit der Böschung), die nicht überschritten werden dürfen, da sonst Rutschungen eintreten können. Im Rahmen der Oberflächenabdichtung der Deponie Nord entsteht diesbezüglich eine besondere Herausforderung. Einerseits ist die Grundfläche festgelegt, insbesondere durch die unmittelbar daneben verlaufende Autobahn A 99. Andererseits ergibt sich durch den notwendigen Dichtungsaufbau eine höhere Aufschüttung, welche an bestimmten Zwangspunkten eine zu steile Böschung erzeugen würde. Daher war bei einigen Randschächten eine andere Lösung zu suchen. Die Randschächte erhalten eine Stützmauer in Form von Gabionen. Gabionen sind mit Gesteinsbrocken gefüllte Drahtkörbe, die vor Ort hergestellt und befüllt werden. Sie lassen eine eindeutige statische Berechnung zu und haben sich im Erdbau aufgrund der einfachen Handhabung und der natürlichen Baustoffe bewährt.


Entwässerung

Ein zentrales Thema auf der Deponieerdbaustelle ist die sichere Entwässerung. Dabei muss zwischen unbelastetem und verunreinigtem Niederschlagswasser unterschieden werden. Unbelastetes Niederschlagswasser muss durch geeignete Maßnahmen auch während der Bauarbeiten ohne Vermischung zum Versickern gebracht werden. Nach Fertigstellung der Bauarbeiten wird dies durch die neue Oberflächenabdichtung gewährleistet. Die Entwässerung von verunreinigtem Niederschlagswasser während der Bauzeit wird durch eine Reihe von Maßnahmen sichergestellt: Die jeweiligen Baufelder werden mit Gräben und Rohren umgeben, in denen das verschmutzte Niederschlagswasser gesammelt wird. Über eine Ringdrainage wird es von dort aus über Schrägrohre in das durch die Deponie führende Dränsystem eingeleitet. Die Schrägrohre sind entlang der Böschung der Basisabdichtung am Rand der Deponie verlegt. An anderen Stellen wird das Wasser direkt der Sammelleitung außerhalb der Deponie zugeführt. In bestimmten Bereichen sind Sickerpackungen erforderlich, die bis zur Basisabdichtung auf der Deponiesohle reichen. Vorsorglich werden laufend Grundwasseruntersuchungen vorgenommen und die Wasserstände innerhalb der Deponie überprüft.


Externes Zwischenlager

Das externe Zwischenlager befindet sich außerhalb des eigentlichen Deponiegeländes. Der Randwall, der dieses Areal umgibt, besteht aus dem zuvor auf der Fläche abgeschobenen Oberboden. In diesem Bereich wird der von der Deponie abgetragene wertvolle Oberboden in Form von Humusmieten zwischengelagert und das Material für den späteren Unterbodenaufbau der Rekultivierungsschicht gesammelt. Außerdem lagern hier Wurzelstöcke, welche bei der späteren Rekultivierung Tieren als künstliche Bruthöhlen und Rückzugsorte dienen sollen. Auf diesem Gebiet befindet sich auch das Kiesgemisch und die Mischanlage zur Herstellung des Bentokieses. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird das Areal wieder der Ackerlandnutzung zugeführt.


Schichtenaufbau

Damit sich in Zukunft kein verunreinigtes Sickerwasser mehr bildet, wird im Rahmen der Oberflächensanierung auf der gesamten Deponie über der neu profilierten Deponatoberfläche ein neuer Aufbau aufgebracht. Dieser besteht aus mehreren genau definierten Schichten mit einer Gesamtdicke von 4,3 Metern. Zentrales Element ist die 50 cm starke wasserdichte Schicht, die aus zwei Lagen Bentokies besteht. Die entscheidende Dichtwirkung geht dabei von Bentonit aus, ein in der Natur vorkommendes Tonmineralgemisch, das ausgezeichnete viskose Eigenschaften und eine hohe Quellfähigkeit besitzt. Mit Kies zu Bentokies vermischt entsteht ein wasserundurchlässiger Baustoff, der eventuelle Risse wiederverschließen und sogar Bodenbewegungen ausgleichen kann.


Vegetationstestfeld

Außerhalb des eigentlichen Deponiegeländes befindet sich das Vegetationstestfeld. Die Rekultivierungsschicht innerhalb der Deponie wird drei Meter dick sein, obwohl die Deponieverordnung nur einen Meter Dicke vorschreibt. So wird sichergestellt, dass keinerlei Wurzelwerk die Dichtung gefährdet. Das Testfeld erhält exakt den gleichen Aufbau wie die gesamte Deponie oberhalb der Dichtungsschicht. Somit kann mit Hilfe des Vegetationstestfeldes außerhalb der Deponie im Verlauf der Jahre beobachtet werden, wie tief die Wurzeln von Bäumen und Sträuchern tatsächlich in die Bodenschichten eindringen. Durch Testgrabungen kann somit während der Nachsorge laufend die Entwicklung der Durchwurzelung überprüft werden, ohne dass dafür in die Schichten innerhalb der Deponie eingegriffen werden muss. Ein Teil des Feldes wird mit denselben Gehölzen gepflanzt, wie innerhalb der Deponie geplant, ein weiterer Teil wird sich selbst überlassen, das heißt, die Vegetation siedelt sich hier natürlich an, z.B. durch Samenanflug oder durch die Verbreitung durch Tiere.